Frank Wedekind (1864-1918) war der umstrittenste Dramatiker des frühen 20. Jahrhunderts. Mit 41 Jahren lernte er 1905 die neunzehnjährige Tilly Newes kennen und heiratete sie ein Jahr später. Sie wurde seine berühmte Lulu, seine ständige Bühnenpartnerin, spielte die weiblichen Hauptrollen bei den Uraufführungen seiner späteren Stücke und wurde Mutter seiner Töchter Pamela und Kadidja. "Das Fleisch hat seinen eigenen Geist" verkündete er, das Idealbild der sexuell bestimmten, entfesselten Frau schwebte ihm vor. Privat war er überkorrekt, empfindlich und extrem eifersüchtig. |
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Tilly Wedekind war 32 Jahre alt als ihr Mann starb. Die Töchter zog sie alleine auf. Pamela, die ältere, verlobte sich sechzehnjährig mit Klaus Mann, dem ältesten Sohn Thomas Manns, und schloss enge Freundschaft mit seiner Schwester Erika. Gemeinsam mit Gustaf Gründgens verursachten sie Theaterskandale in Klaus Manns Stücken "Anja und Esther" und "Revue zu Vieren". Nach einem dramatischen Bruch der Beziehung heiratete Pamela den fast dreißig Jahre älteren Dramatiker Carl Sternheim und später den Schauspieler Charles Regnier. Tilly erlebte eine siebenjährige, schmerzvolle Beziehung mit dem Dichter Gottfried Benn. Kadidja emigrierte nach einem viel versprechenden literarischen Debüt nach Amerika, während Pamela im Dritten Reich bei Gustaf Gründgens in Berlin Theater spielte. Der Riss innerhalb der Familie dauerte bis zum Tod der Schwestern an. Aus dem bisher unveröffentlichten Briefwechsel Wedekinds mit seiner Frau und zahlreichen Familiendokumente zeichnet Anatol Regnier eine Innenansicht einer schwierigen Ehe und das Portrait dreier Frauen im Wechsel der Zeiten und im Gegenüber mit bedeutenden Männern.
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